Kurz gesagt: „Flammhemmend“ ist keine Norm. Was Sie schützt, ist die konkrete europäische Norm auf dem CE-Etikett und die Codes oder Klassen daneben. EN ISO 11612 deckt Hitze und Flammen ab, IEC 61482-2 den Störlichtbogen, EN ISO 11611 das Schweißen, EN ISO 14116 nur die begrenzte Flammenausbreitung und EN 1149-5 die elektrostatische Ableitfähigkeit. Gehen Sie von Ihrer Gefährdungsbeurteilung aus, ordnen Sie jeder Gefährdung die passende Norm und Leistungsstufe zu und achten Sie darauf, dass die gesamte Kleidung zusammenpasst, von der untersten Schicht bis zur Oberbekleidung.
Wir werden oft nach „flammhemmender Arbeitskleidung“ gefragt, als wäre das eine einzige Kategorie. Das ist sie nicht. Kleidung, die für einen Schweißer gut geeignet ist, kann für einen Elektriker an spannungsführenden Schaltanlagen die falsche Wahl sein. Und eine Jacke, die nur die Flammenausbreitung begrenzt, gehört in einer Raffinerie nicht über ein Baumwoll-T-Shirt. Dieser Ratgeber erklärt, was jede Norm bedeutet, wie Sie die Codes lesen und welche Fehler wir am häufigsten sehen.
Auf einen Blick: Welche Norm deckt welche Gefährdung ab?
| Gefährdung | Norm | Was das Etikett Ihnen sagt |
|---|---|---|
| Industrielle Hitze und Flammen | EN ISO 11612 | Code A1 und/oder A2 (begrenzte Flammenausbreitung) plus Codes B, C, D, E, F mit Leistungsstufen |
| Störlichtbogen | IEC 61482-2 | Klasse aus der Box-Prüfung (APC 1 oder APC 2) und/oder Wert aus der Open-Arc-Prüfung (ELIM, ATPV oder EBT in cal/cm²) |
| Schweißen und verwandte Verfahren | EN ISO 11611 | Klasse 1 oder Klasse 2 |
| Gelegentlicher, kurzer Kontakt mit einer kleinen Flamme | EN ISO 14116 | Index 1, 2 oder 3 für begrenzte Flammenausbreitung |
| Statische Elektrizität / Funkengefahr | EN 1149-5 | Elektrostatisch ableitfähige Kleidung (keine Stufen) |
EN ISO 11612: Hitze und Flammen
Die Antwort vorweg: EN ISO 11612 ist die zentrale Norm für Beschäftigte, die industrieller Hitze und Flammen ausgesetzt sind. Jedes zertifizierte Kleidungsstück besteht die Prüfung auf begrenzte Flammenausbreitung (Code A1 und/oder A2). Die übrigen Buchstaben zeigen, gegen welche Hitzegefährdungen es geprüft wurde und auf welcher Stufe. Eine höhere Zahl bedeutet eine bessere Leistung in dieser Prüfung.
Die Codes auf dem Etikett:
- A1 / A2: begrenzte Flammenausbreitung. Bei A1 wird die Flamme auf die Oberfläche des Gewebes gerichtet, bei A2 auf die Kante. Mindestens eine der beiden Prüfungen ist Pflicht.
- B: konvektive Hitze, Stufen 1 bis 3. Etwa heiße Luft und Gase an Öfen oder Flammen.
- C: Strahlungswärme, Stufen 1 bis 4. Wärme, die von glühenden Oberflächen, geschmolzenem Material oder Feuer abstrahlt.
- D: Spritzer von flüssigem Aluminium, Stufen 1 bis 3.
- E: Spritzer von flüssigem Eisen, Stufen 1 bis 3.
- F: Kontaktwärme, Stufen 1 bis 3. Kurzer Kontakt mit heißen Oberflächen.
Ein Kleidungsstück mit „A1 B1 C1“ und eines mit „A1 B2 C2 E3“ sind sehr unterschiedliche Kleidungsstücke. Das erste bietet einen Grundschutz gegen Hitze und Flammen. Das zweite schützt besser gegen konvektive Hitze und Strahlungswärme und erreicht eine hohe Stufe gegen Spritzer von flüssigem Eisen, was in einer Gießerei entscheidend ist. Fehlt ein D- oder E-Code, wurde die Kleidung nicht gegen Metallspritzer geprüft. Gehen Sie dann auch nicht davon aus, dass sie davor schützt.
EN ISO 11612:2015 ist die aktuell gültige Ausgabe. Eine überarbeitete Fassung ist in Vorbereitung, neue Etiketten sind also künftig zu erwarten. Heute gilt weiterhin die Ausgabe von 2015.
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IEC 61482-2: Störlichtbogen
Die Antwort vorweg: Arbeitet Ihr Team an oder in der Nähe von spannungsführenden Anlagen, reicht Flammschutz allein nicht aus. Ein Störlichtbogen setzt in Sekundenbruchteilen eine enorme Energiemenge frei. Kleidung für dieses Risiko wird nach IEC 61482-2 geprüft, entweder in der Box-Prüfung oder in der Open-Arc-Prüfung.
- Box-Prüfung (IEC 61482-1-2): Das Kleidungsstück wird in APC 1 (geprüft mit 4 kA) oder APC 2 (geprüft mit 7 kA) eingestuft. Auf älteren Etiketten und in Katalogen heißt das teilweise noch „Klasse 1“ und „Klasse 2“. APC 2 ist die höhere Klasse.
- Open-Arc-Prüfung (IEC 61482-1-1): Sie liefert einen Wert in cal/cm²: den ELIM (Grenzwert der einfallenden Energie) sowie einen ATPV- oder EBT-Wert. Je höher der Wert, desto mehr einfallende Energie verkraften Gewebe oder Kleidungsstück in dieser Prüfung. Vergleichen Sie den Wert mit der einfallenden Energie aus Ihrer Störlichtbogen-Gefährdungsbeurteilung.
Die beiden Prüfungen messen unterschiedliche Dinge, die Ergebnisse sind nicht direkt austauschbar. Prüfen Sie, welche Prüfung Ihre Gefährdungsbeurteilung verlangt. Lichtbogenschutz funktioniert außerdem nur als Gesamtsystem: Gesichtsschutz, Handschuhe und die Schichten darunter zählen genauso wie die Oberbekleidung.
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EN ISO 11611: Schweißen
Die Antwort vorweg: EN ISO 11611 ist die Norm für Schutzkleidung beim Schweißen und bei verwandten Verfahren. Sie kennt zwei Klassen. Für die gefährlicheren Arbeiten wählen Sie Klasse 2.
- Klasse 1: Schutz bei weniger gefährlichen Schweißtechniken und Situationen mit weniger Spritzern und Strahlungswärme. Beispiele sind Gasschweißen, WIG-Schweißen und MIG-Schweißen mit niedriger Stromstärke.
- Klasse 2: Schutz bei gefährlicheren Schweißtechniken und Situationen mit mehr Spritzern und Strahlungswärme. Beispiele sind Lichtbogenhandschweißen mit basischen oder zelluloseumhüllten Elektroden, MAG-Schweißen, Plasmaschneiden sowie Schweißen in engen Räumen oder über Kopf.
Wo sich Spritzer konzentrieren, tragen Sie zusätzlich eine Lederschürze über der Schweißerkleidung. Die Sacobel Schweißerschürze aus Rindspaltleder ist in unseren Produktdaten mit EN ISO 11611 und EN 13688 angegeben. Für die Hände gilt eine eigene Norm: Schweißerhandschuhe werden nach EN 12477 geprüft. Die Sacobel Schweißerhandschuhe aus Spaltleder nennen EN 12477 Typ A und EN 407. Die ungefütterten Sacobel 3210 WIG-Schweißerhandschuhe nennen EN 12477 Typ B, den Typ für Arbeiten, bei denen Fingerfertigkeit zählt, etwa beim WIG-Schweißen.
Mehr Auswahl finden Sie in unseren Kollektionen Schweißerkleidung und Schweißerhandschuhe.
EN ISO 14116: begrenzte Flammenausbreitung
Die Antwort vorweg: EN ISO 14116 sagt Ihnen nur, dass ein Material die Flammenausbreitung bei kurzem Kontakt mit einer kleinen Flamme begrenzt. Lesen Sie den Index genau: Materialien mit Index 1 dürfen niemals direkt auf der Haut getragen werden. Sie gehören über ein Kleidungsstück mit Index 2 oder 3. Index 3 ist die höchste Stufe dieser Norm.
- Index 1: Das Material brennt nicht bis zur Kante und bildet keine brennenden Tropfen, es kann aber ein Loch entstehen. Deshalb wird es über einem Kleidungsstück mit Index 2 oder 3 getragen, nie auf der Haut.
- Index 2: wie Index 1, zusätzlich keine Lochbildung.
- Index 3: wie Index 2, mit einer zusätzlichen Begrenzung des Nachbrennens. Das ist der höchste Index der Norm.
EN ISO 14116 ist kein Ersatz für EN ISO 11612, wenn eine echte Belastung durch Hitze oder Flammen zu erwarten ist. Die Norm ist für Kleidung mit einer begrenzten Anforderung an die Flammenausbreitung gedacht, etwa manche Warnschutz- oder Regenkleidung, die über anderer Schutzkleidung getragen wird. EN ISO 14116:2015 ist die gültige Ausgabe. Eine überarbeitete Fassung kommt, ist aber noch nicht veröffentlicht.
EN 1149-5: elektrostatische Ableitfähigkeit
Die Antwort vorweg: Kleidung nach EN 1149-5 leitet statische Ladung ab, damit ein Funke durch Aufladung keine explosionsfähige Atmosphäre entzündet. Sie wird meist mit den oben genannten Normen kombiniert, für ATEX-Zonen in Petrochemie, Gaswirtschaft und Chemie.
EN 1149-5 kennt keine Klassen oder Stufen, wirkt aber nur bei richtigem Gebrauch:
- Die Trägerin oder der Träger muss geerdet sein, in der Regel über geeignete ableitfähige Sicherheitsschuhe und Böden.
- Das Kleidungsstück nach EN 1149-5 muss bei normalem Gebrauch alle nicht konformen Schichten darunter abdecken, auch beim Bücken und Bewegen.
- Öffnen oder ziehen Sie das Kleidungsstück nie in einer entzündlichen oder explosionsfähigen Atmosphäre aus.
EN 1149-5 betrifft nur statische Aufladung. Ein Kleidungsstück kann EN 1149-5 tragen, ohne eine Flammschutznorm zu haben. Die Lyngsøe Microflex Jacket zum Beispiel nennt in unseren Produktdaten EN 343 (Regen) und EN 1149-5, aber keine Flammschutznorm. Brauchen Sie auch Schutz vor Hitze und Flammen, prüfen Sie, ob das Etikett zusätzlich EN ISO 11612 oder EN ISO 14116 in der passenden Stufe nennt. Zu unserer antistatischen Arbeitskleidung.
Schichten: Die gesamte Kleidung muss zusammenpassen
Die Antwort vorweg: Flammhemmende Oberbekleidung schützt nur so gut, wie es die Schichten darunter zulassen. Synthetische Unterwäsche aus Polyester, Nylon oder Elasthan kann schmelzen und an der Haut kleben, wenn sich die äußere Schicht erhitzt.
- Tragen Sie Unterschichten, die nicht schmelzen: flammhemmende Unterwäsche und T-Shirts oder Naturfasern wie Baumwolle oder Wolle, sofern Ihre Gefährdungsbeurteilung das zulässt.
- Kleidung mit Index 1 nach EN ISO 14116 gehört über ein Kleidungsstück mit Index 2 oder 3, nie auf die Haut.
- Eine Regenjacke oder Warnweste über flammhemmender Kleidung darf den Schutz nicht aufheben. Sie braucht eine eigene passende Flammschutznorm und für ATEX-Arbeiten zusätzlich EN 1149-5.
- Beim Störlichtbogen zählt das Gesamtsystem: Kleidung, Handschuhe, Gesichtsschutz und das, was darunter getragen wird.
- Schließen Sie die Kleidung richtig. Eine offene Front oder hochgekrempelte Ärmel verringern den Schutz, der auf dem Etikett steht.
Pflege: inhärent flammhemmende und ausgerüstete Gewebe
Die Antwort vorweg: Inhärent flammhemmende Gewebe verdanken ihren Flammschutz der Faser selbst. Ausgerüstete Gewebe, meist aus Baumwolle oder mit hohem Baumwollanteil, erhalten ihn durch eine chemische Ausrüstung. Beide brauchen die richtige Pflege, und falsches Waschen kann den Schutz verringern.
- Inhärent flammhemmende Gewebe: Der Flammschutz wäscht sich nicht aus. Verschmutzungen durch Öl, Fett oder andere brennbare Stoffe können aber trotzdem brennen und den Schutz aufheben. Reinigen Sie die Kleidung regelmäßig und ersetzen Sie sie bei Beschädigung.
- Ausgerüstete Gewebe: Die Ausrüstung ist dauerhaft, hängt aber von der richtigen Pflege ab. Halten Sie sich genau an das Pflegeetikett: Temperatur, Anzahl der Waschzyklen, falls angegeben, und Trocknungsart.
- Für beide gilt: Verzichten Sie auf Bleichmittel und Weichspüler, sofern das Pflegeetikett sie nicht erlaubt. Sie können die Schutzwirkung beeinträchtigen oder einen brennbaren Film hinterlassen. Reparieren Sie nur mit geeigneten flammhemmenden Materialien und ersetzen Sie verschlissene, gerissene oder stark verschmutzte Kleidung.
So wählen Sie nach der Gefährdungsbeurteilung
Die Antwort vorweg: Beginnen Sie mit der Gefährdungsbeurteilung, nicht mit dem Katalog. Bestimmen Sie die Gefährdung, ordnen Sie Norm und Stufe zu und prüfen Sie dann, ob die gesamte Kleidung zusammenpasst.
- Gefährdung benennen. Geht es um Flammen, konvektive Hitze oder Strahlungswärme, flüssiges Metall, Kontaktwärme, Schweißspritzer, Störlichtbogen, statische Aufladung oder eine Kombination?
- Norm zuordnen. Hitze und Flammen: EN ISO 11612. Störlichtbogen: IEC 61482-2. Schweißen: EN ISO 11611. Statische Aufladung in ATEX-Zonen: EN 1149-5. Nur kurzer Kontakt mit einer kleinen Flamme: EN ISO 14116.
- Stufe zuordnen. Zum Beispiel eine höhere C-Stufe bei starker Strahlungswärme, ein E-Code in Eisengießereien, Klasse 2 bei schweren Schweißarbeiten und ein Lichtbogenwert, der mindestens der berechneten einfallenden Energie entspricht.
- Kombinationen prüfen. Viele Tätigkeiten erfordern Multinorm-Kleidung, die mehrere Normen auf einem Etikett vereint.
- Gesamte Ausrüstung prüfen. Unterschichten, Oberbekleidung, Handschuhe, Gesichtsschutz und Schuhe.
- Pflege und Austausch planen. Legen Sie Waschen und Kontrolle fest, bevor die Kleidung in Gebrauch geht.
Sie sind nicht sicher, welche Kombination Ihr Team braucht? Schicken Sie uns die Tätigkeitsbeschreibung, und wir helfen Ihnen, den passenden Schutz zu finden. Lagerware, die Sie vor 14:00 Uhr bestellen, versenden wir am selben Tag. Wir liefern innerhalb der EU (die Versandkosten werden an der Kasse berechnet), und Sie haben ein 30-tägiges Rückgaberecht.
Drei Fehler, die wir häufig sehen
- Kaufen nach dem Wort „flammhemmend“, ohne zu prüfen, welche Normen und Stufen auf dem Etikett stehen.
- Flammhemmende Oberbekleidung über synthetischer Unterwäsche tragen, die auf der Haut schmelzen kann. Auch die Schicht darunter zählt.
- Vergessen, dass inhärent flammhemmende und ausgerüstete Gewebe unterschiedlich gepflegt werden müssen, und dass falsches Waschen den Schutz verringern kann.
Häufige Fragen
Ist „flammhemmend“ dasselbe wie EN ISO 11612?
Nein. „Flammhemmend“ ist eine allgemeine Beschreibung. EN ISO 11612 ist eine konkrete Norm für Hitze und Flammen mit geprüften Codes und Stufen. Achten Sie immer auf die Norm und die Codes auf dem CE-Etikett.
Was ist der Unterschied zwischen EN ISO 11612 und EN ISO 14116?
EN ISO 11612 regelt den Schutz vor Hitze und Flammen, einschließlich konvektiver Hitze, Strahlungs- und Kontaktwärme sowie Spritzern von flüssigem Metall. EN ISO 14116 betrifft nur die begrenzte Flammenausbreitung. Sie ist kein Ersatz für EN ISO 11612, wenn eine echte Hitzebelastung zu erwarten ist.
Darf ich Kleidung mit EN ISO 14116 Index 1 allein tragen?
Nicht auf der Haut. Materialien mit Index 1 müssen über einem Kleidungsstück mit Index 2 oder 3 getragen werden.
Schützt flammhemmende Kleidung vor einem Störlichtbogen?
Nicht automatisch. Lichtbogenschutz erfordert eine Prüfung nach IEC 61482-2: eine Klasse aus der Box-Prüfung (APC 1 oder APC 2) oder einen Open-Arc-Wert (ELIM, ATPV oder EBT) in cal/cm².
Welche Schweißerklasse brauche ich, Klasse 1 oder Klasse 2?
Klasse 1 ist für weniger gefährliche Schweißarbeiten mit weniger Spritzern und Strahlungswärme. Klasse 2 ist für gefährlichere Arbeiten, etwa schwereres Lichtbogenschweißen oder Schweißen in engen Räumen oder über Kopf.
Warum EN 1149-5 mit Flammschutznormen kombinieren?
In ATEX-Zonen kann ein Funke durch statische Aufladung eine explosionsfähige Atmosphäre entzünden. Kleidung nach EN 1149-5 leitet diese Ladung ab, aber nur, wenn die Person geerdet ist und die Kleidung die Schichten darunter abdeckt.
Werden EN ISO 11612 und EN ISO 14116 überarbeitet?
Ja. Überarbeitete Ausgaben sind in Vorbereitung, aber noch nicht veröffentlicht. EN ISO 11612:2015 und EN ISO 14116:2015 bleiben die gültigen Ausgaben.

